Was ist Hardiness?

    Hardiness ist ein Konstrukt von Susan Kobasa und Salvatore Maddi, das soviel wie „Widerstandsfähigkeit“ bedeutet. Die beiden entwickelten dies ausgehend von Studien zur Arbeitsbelastung von Managern einer US-Amerikanischen Telefongesellschaft. Dementsprechend beziehen sich weitere Studien weitgehend auf Stress am Arbeitsplatz, aber auch auf Umgang mit Erkrankungen, die Pflege Erkrankter und Kriegserlebnisse.

    Der Schutzfaktor setzt sich dabei aus drei Komponenten zusammen: Engagement, Kontrolle und Herausforderung.

    1. Engagement (commitment): Dies beschreibt einerseits die Grundeinstellung, Sinn und Bedeutung in privaten und gesellschaftlichen Lebensbereichen zu sehen. Andererseits beschreibt es die darauf aufbauende Bereitschaft aktiv die Gestaltung dieser Lebensbereiche in die Hand zu nehmen.
    2. Kontrolle (control): Damit ist die Wahrnehmung der eigenen Gestaltbarkeit gemeint, sowie der Wille zu eigenverantwortlichem Handeln. Menschen mit hohem Kontrollempfinden sehen sich nicht als Opfer der Umstände, sondern sehen Möglichkeiten zum aktiven Beeinflussen.
    3. Herausforderung (challenge): Das beschreibt die Haltung, Veränderungen und Anforderungen nicht bedrohlich einzustufen, sondern sie als Gelegenheit zur Weiterentwicklung zu begreifen. Probleme werden somit eher als Herausforderung und Chance zum Wachstum begriffen.

    Was bewirkt Hardiness?

    Mehreren Studien bestätigen die positive Wirkung von Hardiness am Arbeitsplatz. Beispielsweise zeigten Angestellte weniger Fehltage (Hystadt u.a. 2011), ein klareres Verständnis von Arbeitsaufgaben (Judkins, Rind 2005) und eine geringere Burnout-Symptomatik (Alexander,Klein 2001).

    Betroffene von körperlichen Krankheiten zeigten in Studien hierzu eine bessere psychische Befindlichkeit im Zusammenhang mit hohen Werten von Widerstandskraft. Dies bestätigt sich zum Beispiel in einer Studie zu Aidserkrankten, die ihre Lebensqualität durch den Schutzfaktor als hoch beschrieben (Farber u.a. 2000).

    In einer Studie von DiBartolo und Soeken von 2003 zeigten Menschen, die ihren demenzkranken Ehepartner pflegten, zwar keinen direkten Einfluss von Hardiness auf ihre Gesundheit, allerdings hatten sie eine positive Sichtweise auf ihre Tätigkeit und wendeten gelingende Copingstrategien an. Und eine Studie zu Müttern geistig behinderter oder autistischer Kinder mit hoher Widerstandskraft stellte ein geringeres Burnout-Risiko heraus (Weiss 2002).

    Hardiness als Schutzfaktor

    Hardiness: Mit viel Kraft dagegenhalten. Egal wie groß die Herausforderung auch sein mag.

    Die oben genannten Studien zeigen auf, dass Hardiness in unterschiedlichen Kontexten positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat. Studien zur Verarbeitung von Kriegserlebnissen zeigten eine Besonderheit von Hardiness als Schutzfaktor auf.

    In einer Stichprobe israelischer Soldaten und Kriegsgefangener zeigten die Untersuchten mit hoher Widerstandskraft weniger negative Veränderungen in Hinblick auf Verhalten und Persönlichkeitseigenschaften. Und hierbei fiel auf, dass die Kriegsgefangenen interessanterweise einen höheren Schutzeffekt erfuhren als die, sollte man meinen, weniger belasteten Soldaten, die direkt nach Hause kehren konnten (Swarzwald, Solomon, Waysman 2001).

    In anderen Studien (siehe Zakin et al. 2003) zeigte sich ebenfalls das Phänomen. Daraus lässt sich eine bestimmte Eigenschaft für den Schutzfaktor ableiten. Je höher die empfundene Belastung ist, desto protektiver wirkt Hardiness.

    Eine Metaanalyse von über 180 Studien (Eschleman u.a. 2010) zeigte den generellen schützenden Effekt von Hardiness auf. Der Schutzfaktor bewirkte eine deutlich geringere psychische Belastung, ein größeres Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit, weniger stressreich empfundene Situationen und das häufigere Anwenden erfolgreicher Copingstrategien. Darüber hinaus erwies sich, dass Hardiness eine besonders schützende Funktion unter sehr großen Stressbelastungen zeigt.

    Kritik zur Hardiness?!

    Obwohl die Studien klar den Status als Schutzfaktor herausstellen, gibt es dennoch Kritikpunkte am Konstrukt der Hardiness. Einerseits stellt sich die Frage, inwieweit der Schutzfaktor von der Persönlichkeitseigenschaft Neurotizismus abzugrenzen ist. Andererseits stellt sich die Frage, ob die drei Komponenten tatsächlich eine Einheit bilden.

    Die Frage nach Abgrenzung zwischen Hardiness und Neurotizismus (Neigung zu emotionaler Labilität und Sensibilität zur Stress) kam auf, da die Konstrukte sich stark überlappten. Mit dem Fragebogen zur Messung von Widerständigkeit wurde somit eigentlich Neurotizismus gemessen (siehe Klag, Bradley 2004).

    Insbesondere Studien die Weiblichkeit als einen Untersuchungsfaktor miteinbezogen zeigten auf, dass Hardiness als Varianz zu Neurotizismus zu verstehen sei (Eschleman u.a. 2010). Mittlerweile gibt es ein neues Instrument zur Untersuchung von Hardiness, das jedoch in weiteren Studien erst noch Anwendung finden muss.

    Die Zweifel, ob die drei Komponenten Engagement, Kontrolle und Herausforderung als einheitliches Konstrukt zu verstehen sind, gehen auf uneindeutige Studienergebnisse zurück. In einer Studie zu Burnout-Symptomen bei Rettungskräften (Alexander, Klein 2001) war beispielsweise nur die Komponente des Engagements wichtig im Zusammenhang mit psychischer Belastung.

    So wurde die Komponente der Herausforderung oft als überflüssig kritisiert, da diese Skala die inkonsequentesten Ergebnisse in Studien zeigte. Allerdings ist es gerade diese Komponente, die den Schutzfaktor von anderen Konstrukten, wie beispielsweise dem Schutzfaktor Kohärenzgefühl, abgrenzt.

    Trotz der Kritikpunkte lässt sich festhalten, dass Hardiness ein Schutzfaktor ist, der zu einer höheren Lebenszufriedenheit beiträgt, vor psychische Krankheiten schützt und die Resilienz stärkt.