Was ist Scham?

    Scham ist, wie Schuld und Interesse eine Emotion, die (noch) nicht zu den Basisemotionen gezählt wird. Außerdem kann man sie als “erweiterte Emotion” bezeichnen, das heißt, sie wird nicht biologisch ausgelöst, sondern durch soziale „Trigger“ hervorgerufen. Beschämung und Verlegenheit sind im Zusammenhang zu betrachten, wobei Verlegenheit als eine mildere Form von Schämen verstanden werden kann. Obwohl sie sich sehr ähnlich sind, gibt es dennoch Unterschiede, beispielsweise in der Mimik. Der Umgang mit jeder Form von Emotion bedeutet im Zusammenhang mit Resilienz, dass man sich dieser bewusst wird und die dysfunktionalen Folgen minimiert.

    Scham und resiliente Kommunikation

    Scham löst Schmerz, so genannten Sozialschmerz, in der Amygdala aus. Warum ist das so unangenehm? Eine Erklärung aus der Evolutionsbiologie lautet, dass Scham uns vor Verhaltensweisen geschützt hat, die zum Ausschluss aus dem Gruppenzusammenhalt geführt hätte. Für resiliente Kommunikation heißt das, dass man bei Feedback- und Kritik-Gesprächen Scham vermeiden sollte. Sprich der gut geübte Impuls, jemandem in die Augen zu schauen, wenn man sich unterhält, sollte bewusst unterbrochen werden. So entsteht ein möglichst schamfreier Raum – da die Scham im Auge des Betrachters entsteht. Will man ein Gespräch resilienter machen, so kann man das durch ein Gesprächssetting, welches eher über Eck – sprich im 90 Grad Winkel zueinander – gewählt ist.

    Resilienz bedeutet auch, Scham gar nicht erst entstehen lassen

    Wenn man sich anschaut, wie Scham entsteht, so ist häufig eine Verwechselung vom Verhalten einer Person mit der Person selbst. Herr X und Frau Y sind so und so führt schnell zu Missverständnissen. Wenn man sprachlich sich spezifisch auf eine Situation das Verhalten anschaut, dann kann dieses weniger Missverständnisse hervorrufen und die Resilienz aller Beteiligten stärken. Der Merksatz hierzu lautet: Unterscheide Person und Verhalten – eine Person ist nicht ihr Verhalten, sondern hat in der Regel viel mehr Potenzial, als sie zeigt. Danach gilt es zu suchen.

    Scham_Resilienz

    Wie entsteht Scham?

    Es gibt ein gutes, relativ banales Beispiel, um Scham zu erklären: Stellen Sie sich vor, sie gehen nackt einkaufen. Schon allein bei der Vorstellung kommt bei vielen eine Mini-Reaktion in Richtung des Schämens. Schamgefühl wird nämlich empfunden, wenn wir uns sozial unangemessen verhalten. Dies steht in Verbindung zu der Basisemotion Ekel, die wir ebenfalls als Schutz vor sozialer Ausgrenzung empfinden.

    Öffentlichkeit als Voraussetzung für Scham

    Nehmen wir noch einmal das Beispiel vom nackten Einkaufen. Hieran zeigt sich deutlich, dass wir Scham unter einer ganz bestimmten Voraussetzung empfinden: Es braucht dafür eine bestimmte Form von Öffentlichkeit. In der Sauna schämen wir uns weniger bis kaum, und Zuhause in der Dusche schämt sich niemand dafür, nackt zu sein. Damit Menschen Verlegenheit empfinden braucht es den „Blick der anderen“ und gewisse gesellschaftliche Konventionen.

    Bei Verlegenheit ist es genauso. Um in Verlegenheit zu geraten brauchen wir andere Menschen, die uns in eine solche Situation bringen. Ein klassisches Beispiel hierfür ist wohl das Geburtstagsständchen.

    Abgesehen von dem Grad in dem Beschämung empfunden wird, unterscheiden sich Beschämung und Verlegenheit in der zeitlichen Orientierung. Verlegenheit ist eher vorausschauend, wohingegen Scham, genau wie Schuld, eher vergangenheitsorientiert ist. So kann man sich auch Jahre später noch für etwas schämen, jedoch selten Verlegenheit fühlen.

    Hauptfunktionen von Scham und Verlegenheit

    Scham und Verlegenheit haben drei Hauptfunktionen:
    1. Sie sind eine Besänftigungsgeste, um unabsichtliches Handeln anderen gegenüber auszudrücken.
    2. Sie sind Motivation, solche Situationen künftig zu vermeiden.
    3. Sie sind zur Schadensbehebung da und motivieren das „Wiedergutmachen“.
    Insgesamt kann zusammengefasst werden, dass Beschämung und Verlegenheit für einen Gruppenzusammenhalt sorgen und Beziehungsgeflechte aufrechterhalten.

    Scham und Verlegenheit in der Mimik

    In der Mimik lässt sich von außen ein großer Unterschied von Beschämung und Verlegenheit feststellen. Schämen drückt sich ähnlich wie Trauer und Schuld aus: Mundwinkel nach unten und Blick gesenkt. Verlegenheit dahingegen zeigt sich eher durch ein unterdrücktes Lächeln, wobei die Augen unbeteiligt bleiben.
    Beide Reaktionen zeigen sich meist durch ein Abwenden des Kopfes oder eine beruhigende Geste, wie das Berühren des Gesichts.

    Resilienter Umgang mit Scham

    Scham wird oft von dem Grundgedanken begleitet: “Bin ich ok? Werde ich aus der Gruppe ausgeschlossen?” Um diesem Gefühl proaktiv und mit einem guten Maß an Resilienz zu begegnen, kann man für sich selbst und auch im Kontakt mit anderen bestimmte Dinge tun. Neben Selbstwert-Training, welches das mentale Immunsystem von Menschen stärkt, helfen auch Empathie-Trainings nach Mimikresonanz-Methode von Dirk Eilert.

    Fotocredit: unsplash.com