Fight, Flight, Freeze – Die evolutionsbiologische Sicht auf Stress

    Stress ist ein Kurzzeit-Notfall-Programm. Das bedeutet, der Mensch ist nicht darauf ausgerichtet langanhaltend unter Stress zu stehen. Wenn wir heute allerdings davon sprechen, dann meinen wir genau diese dauerhafte Belastung. Noch dazu wird Stress als negativ oder sogar überflüssig (z.B. „Sich Stress machen“) angesehen. Doch wenn wir einen Blick auf die Steinzeit werfen, war es überlebensnotwendig! Die biologischen Stressreaktionen sind heute noch genau die gleichen wie zu Zeiten von Jägern und Sammlern. Mit dem Unterschied, dass sie damals wirklich nur für eine bestimmte Situation aktiviert wurden.

    „Fight, Flight, Freeze“ Theorie

    Die biologischen Stressreaktionen wurden von dem Psychologen Walter Cannon in der sogenannten „Fight-or-Flight“ Theorie zusammengefasst. Demnach brauchen wir Stress entweder für den Kampf oder die Flucht. Diese beiden Reaktionen waren in der Urzeit von größter Bedeutung.

    Egal für was der Mensch sich nun entscheidet, die physische Reaktion ist dieselbe. Und das beginnt bei der Wahrnehmung. Der älteste Teil des Hirns, dem Stammhirn, prüft diese. Wenn wir keinen Stressoren (Auslöser für Stress) wahrnehmen, geht die Information weiter ins Großhirn. Das verarbeitet und speichert sie. Vereinfacht gesagt: Das Denken beginnt. Wenn dem Stammhirn jetzt allerdings ein Signal für Gefahr gesendet wird, bleibt keine Zeit für ausgiebiges Denken. Das Großhirn geht in den Stand-by Modus und der Körper übernimmt die weiteren Reaktionen. Innerhalb von Millisekunden wird sich zwischen den Reaktionsmöglichkeiten „Kämpfen“ oder „Fliehen“ entschieden.

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    Bloß weg bevor sie mich kriegen. Flucht ist eine nur zu verständliche Stressreaktion aus unserem Fundus an Reaktionen. Da wir heute eher seltener von Tieren gejagd werden, sondern “nur” Stress im Alltag erleiden, sollten wir auch anderes reagieren.

    Für beide Reaktionen braucht der Körper nun Energie. Also werden Stresshormone wie Adrenalin ausgeschüttet. Das Blut wird in die Körpermitte und die Beine gepumpt (deswegen auch kalte Hände und kalter Schweiß). Alle überflüssigen Systeme werden runtergefahren, wie das Immunsystem und die Verdauung. Der Körper sammelt alle Energie kurzzeitig für den Kampf oder die Flucht.

    Freeze

    In der Stressforschung wird zunehmend eine dritte Reaktionsmöglichkeit bei Stress hinzugefügt. Kämpfen und Flüchten sind Reaktionen, weil Betroffene die Hoffnung haben so der Situation zu entkommen. Wenn diese Hoffnung nicht besteht oder die Situation ausweglos erscheint, folgt eine Freeze-Reaktion. Das kommt quasi dem Sich tot Stellen gleich. Der Mensch ergibt sich der Situation und resigniert.

    Diese Reaktion kann in realen Gefahrensituationen hilfreich, gar lebensrettend sein (Bspw. bei Opfern von Gewaltverbrechen, Unfällen und in anderen traumatisierenden Situationen). Bei dieser Reaktion wird der Puls heruntergefahren, Denken und Schmerzempfinden werden kurzzeitig ausgeschaltet und auch Erinnerungen danach sind kaum oder gar nicht vorhanden.
    Bei beispielsweise Zeitdruck heutzutage, ist diese Reaktion jedoch nicht förderlich. Erstarren führt in solch einer Situation zu keiner Lösung.

    Fight, Flight, Freeze in der heutigen Welt

    Bei allen drei Reaktionen liegt der Knackpunkt im „Kurzzeitig“! Wie bereits gesagt: Der Mensch ist nicht darauf ausgelegt diese Stressreaktion über Tage oder Wochen aufrecht zu erhalten. Dauerhaft gestresste Menschen können so chronische Krankheiten entwickeln.

    Lethargie, Depressionen und Burn-out sind die Folge von unnatürlich langem Stress. Um es gar nicht erst zu solchen Erkrankungen kommen zu lassen, hilft Resilienztraining. Es regelt den Stress herunter und schafft die Möglichkeit für Gesundheit auch in der „stressigen“ Arbeitswelt.