Burn-out?! Was es bedeutet und wie Resilienz hilft

    Der Begriff lässt sich vom Englischen ins Deutsche „ausbrennen“ übersetzen. Doch wie kann ein Mensch tatsächlich ‚ausbrennen‘? Wir benutzen manchmal auch Synonyme wie „ich bin völlig abgebrannt“, um damit zu verdeutlichen „Ich kann nicht mehr“. Denn das ist es, was Burn-out für Betroffene bedeutet: Totale Erschöpfung.

    Dabei handelt es sich um eine ernste psychische Krankheit. Oft wird sie wegen des besseren Rufs als Deckmantel für Depression benutzt. Denn es ist einfacher zu sagen, man sei vom vielen Arbeiten erledigt, statt depressiv zu sein. Dabei haben beide Krankheiten ähnliche psychologische Symptome.

    Burn-out, Burnout oder auch Burnout-Syndrom beschreibt also einen Zustand der Erschöpfung und emotionalen Überlastung. Im Gegensatz dazu steht der Bore-out, der auf chronischer Unterforderung basiert. Beide Syndrome zeigen allerdings ähnliche Symptome auf.

    Wie zeigt sich Burn-out?  – das Maslach Burnout Inventory

    Erstmals tauchte der Begriff im Zusammenhang mit Pflegeberufen um die 1970er auf. Die Sozialpsychologin Christina Maslach verfasste die ersten wissenschaftlichen Artikel zum Burnout-Syndrom. In Folge dessen erschien 1981 das Maslach Burnout Inventory: Ein Fragenkatalog aus 22 Fragen, die dabei helfen sollen die Krankheit zu diagnostizieren. Dabei werden die Fragen in drei grundlegende Kategorien eingeteilt.

    1. Eine überwältigende Erschöpfung („overwelming exhaustion): Dabei handelt es sich um einen persönlichen Aspekt, da die Erschöpfung durch fehlende emotionale und physische Ressourcen hervorgerufen wird.
    2. Ein Gefühl von Depersonalisierung („detechment“): Das ist ein zwischenmenschlicher Aspekt, denn es geht um Zynismus und das Empfinden von Distanziertheit, insbesondere von beruflichen Aufgaben.
    3. Ein Gefühl von reduzierter Leistungsfähigkeit („inefficacy“): Hier findet eine Selbstbewertung, bzw. eine Selbstabwertung statt, da man selbst von der Wirkungslosigkeit seines Handelns überzeugt ist.

    Es ist zwar äußerst sinnvoll, ein Instrument zur Diagnostizierung von Burn-out zu haben. Insbesondere, weil es sich bei dieser Erkrankung um einen schleichenden und äußerst individuellen Prozess handelt. Meist fällt sie den Betroffenen erst auf, wenn wirklich alle Stricke reißen. Doch sollte auch hinterfragt werden, inwiefern dieses Inventory anwendbar ist. Nicht jeder zynisch veranlagte Mensch riskiert auszubrennen. Und Arbeitsunzufriedenheit ist ebenfalls lediglich ein begünstigender Faktor.

    Es gibt viele Symptome, die auf einen Burn-out hinweisen können, nicht aber tatsächlich auch zu dieser Diagnose führen müssen. Sind allerdings die drei Kernsymptome emotionale Erschöpfung, Gefühl von Gleichgültigkeit und Gefühl von Ineffektivität vorhanden, ist es dringend anzuraten, einen Arzt aufzusuchen.

    Neurologisch zeigt sich Burn-out, nach Luc Isebaert, auf folgende Art:

    • Die Nebennierenrinde gibt vermehrt Adrenalin und Cortisol (Stresshormone) ab
    • Bahnen im Präfrontalhirn (zuständig für Integration von Gedächstnisinhalten und emotionaler Bewertung) werden abgeschaltet
    • Der Hippocampus (Zuständig fürs Gedächtnis) schrumpft
    • Es kommt zu Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen

    Wie kommt’s zum Burn-out?

    Burn-out und Resilienz

    Mit Resilienz wirken sie einem Burn-out frühzeitig und sinnvoll entgegen.

    Viele Psychiater bestimmen Burn-out, im Gegensatz zu einer Depression, als Rahmen- oder Zusatzdiagnose. Ebenfalls besteht das Vorurteil, es handle sich um eine Modekrankheit, die zur Grundlage von Arbeitsunfähigkeit ausgenutzt werde.

    Dabei ist es ein großer Fehler die psychische Krankheit mit Faulheit in Verbindung zu setzten. In der heutigen Leistungsgesellschaft herrscht die Meinung vor:  „Wer nicht überlastet ist, der arbeitet nicht richtig“. Interessant ist dabei allerdings die Tatsache, dass manche Menschen besser mit Belastung klarkommen, als andere. Wie kommt es dazu?

    Zunächst einmal vorweg, es ist eine ganze Menge nötig, um auszubrennen: Dauerhafter Stress und das in hoher ‚Dosis‘ ohne den geringsten Ausgleich. Am besten lässt sich das mit dem Modell eines Fasses beschreiben. Wir füllen das Fass mit Stress, und wenn dieser nun kontinuierlich und ihn hohen Massen hereinfließt, aber nicht abgelassen wird, läuft das Fass irgendwann über. Die Folge – ein Burn-out.

    Das Fass ist dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich groß. Dazu kommt, dass wir den Füllstand nie direkt ablesen, sondern lediglich die Anzeichen erkennen können. Solche Anzeichen sind die Qualität des Schlafes, die Regenerationskompetenz oder die körperliche Gesundheit. Denn viele physische Aspekte hängen indirekt mit Stress zusammen, etwa Rückenschmerzen und Verspannungen, Hautprobleme oder Kopfschmerzen. Zudem kann sich die Größe des Fasses verkleinern, wenn wir wenig schlafen, uns ungesund ernähren, uns wenig bewegen und nicht ausreichend entspannen.

    Was dagegen tun? – Resilienz!

    Um sich gegen diese Krankheit zu schützen wird oft auch von Burn-out-Prävention, Stress-Management oder Krisen-Intervention gesprochen. Diese Ansätze sind jedoch alle auf das Problem fokussiert. Das ist anders bei der Resilienz.

    Resilienz bezeichnet die innere Widerstandsfähigkeit des Menschen und einen flexiblem Umgang mit Stress. Hierbei wird sich auf die Lösung oder den Zielzustand konzentriert. Wie funktioniert Resilienz nun in Bezug auf Burn-out?

    Bleiben wir einmal beim eben genannten Stressfass. Die Resilienz wirkt hier wie ein Deckel, oder eben ein sehr guter Filter, der sich schützend über das Fass legt. Es ist der Schutzschild gegen die Stressfaktoren, die das Fass zum Überlaufen bringen.

    Resilienz ist dabei nicht als Allheilmittel zu verstehen und auch nicht nur damit in Verbindung zu bringen. Denn Resilienz ist eine Fähigkeit, die generell hilft Zufriedenheitspotentiale auszuschöpfen, Wohlbefinden herzustellen und ein selbstbestimmtes, gesundes Leben zu führen. Und das Tolle: Resilienz kann erlernt werden. Im Resilienz-Training werden Methoden und Kompetenzen vermittelt, die eine stressbedingte Überlastung verhindern können.

    Wozu ist Burn-out gut?

    Ja, Sie haben richtig gelesen. Er kann auch zu etwas gut sein. Denn es handelt sich hierbei um eine sinnvolle und notwendige Einrichtung des Körpers. Im Japanischen gibt es den Begriff „Karoshi“ – auf Deutsch: „sich zu Tode arbeiten“. Klingt doch wie eine Steigerung von Burn-out. Und um eben diesen Punkt nicht zu erreichen, hat unser kluges System den Notfall-Modus eingerichtet.

    Burn-out ist also ein wichtiges Feedback unseres Körpers, das uns den Stress, den wir mühsam und lange angesammelt haben, direkt vor Augen führt. Wenn wir unser System zu lange ignorieren, meldet es sich.

    Doch, wie bei Maschinen, gibt es auch hier eine Möglichkeit: „Starten Sie das Gerät doch nochmal neu“. Getreu dem Prinzip „Aus-An-Geht wieder“ ist ein Burn-out nicht das absolute Ende. Es ist eher die Chance für einen überholten Neustart. Denn: Wenn schon Burn-out dann richtig!