Optimismus als positive Erwartungshaltung

    Oft verstehen wir unter Optimismus die beschönigende „rosarote Brille“. Dabei geht es nicht darum, ob das Glas halbvoll oder halbleer ist. Vielmehr um die Überzeugung: „Auch ein halbleeres Glas löscht meinen Durst vorübergehend.“ Der Schutzfaktor beschreibt also eine positive Ergebniserwartung. Die Haltung wirkt sich auf das Handeln und auch auf die Bewältigungsstrategien in schweren Situationen aus.

    Der Schutzfaktor wird schon seit langer Zeit als Persönlichkeitseigenschaft untersucht, die Gesundheit fördert. Die Verhaltenspsychologie nennt dies „dispositionellen Optimismus“. Basis hiervon ist das Selbstregulationsmodell von Verhalten (Carver und Schleier 1990). Es beruht darauf, Verhalten werde von den erwarteten Konsequenzen beeinflusst. Durch eine optimistische Haltung rechnen wir eher mit positiven Konsequenzen, was dazu führt, dass wir mehr Einsatz und Durchhaltevermögen zeigen. Zusätzlich erlebt man beim Durchführen der Handlung mehr positive Emotionen, ein weiterer wichtiger Schutzfaktor.

    Optimistische Menschen schreiben negative Ergebnisse äußeren Einflüssen zu, die eher situationsabhängig sind. Dahingegen sehen sie positive Ergebnisse als Ergebnis des eigenen Handelns an und erklären die Umstände als stabil. Das bedeutet wenn wir Erfolge uns selbst verdanken und dies auch würdigen, stärkt das unserer Resilienz.

    Optimismus als Schutzfaktor

    Optimismus ist mehr als eine positive innere Haltung. Die gesundheitspsychologische Forschung sieht große Zusammenhänge zwischen dem dispositionellen Optimismus und physischer wie psychischer Gesundheit. Es gibt mehrere Erklärungsansätze für diesen Zusammenhang. Einerseits besteht die Annahme, dass der Schutzfaktor direkt das Immunsystem stärkt und so Krankheiten verhindert, bzw. uns von innen heraus stärkt. Andererseits führt diese innere Haltung generell zu einer gesunden Lebensweise und auch zu aktiven Bewältigungsstrategien (wie bspw. zum Arzt gehen bei Beschwerden).

    Die aktiven Bewältigungsstrategien sorgen dafür, dass optimistische Menschen negative Lebensumstände vermeiden und mehr soziale Unterstützung bekommen. Das bestätigte Grote u.a. in einer Studie von 2007. Ökonomisch benachteiligte, aber optimistische Frauen in Amerika sahen sich seltener Stressoren ausgesetzt und reagierten auf auftretende Stressoren resilienter.

    Optimismus und Resilienz

    Optimismus ist ein wichtiger Resilienz Schutzfaktor

    Eine optimistische Grundhaltung ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die zur Stärkung von Resilienz beiträgt. Die positive Erwartungshaltung sorgt dafür, dass Menschen eher ein aktives Bewältigungsverhalten anstreben. Zudem schätzen wir  Herausforderungen durch einen gesunden Optimismus realistischer ein. Das hilft dabei Probleme anzugehen und auch zu bewältigen. Im Sinne der selbsterfüllenden Prophezeiung gelingen Dinge auch besser, wenn man erwartet, dass sie gelingen.

    Soweit, so gut, aber wie komme ich nun zu so einer Einstellung? Ebenso wie Resilienz lässt sich auch diese Haltung trainieren. Ein guter Anfang hierfür kann der Leitspruch sein: „Fake it, `till you make it!“ – also „Tu so als ob, bis du es wirklich kannst“. Es kommt auf die positive Ergebniserwartung an, daher hilft es sich selbst die gewünschte Haltung einzureden.

    Innen und außen beeinflussen sich gegenseitig. „Tu einfach so, als ob du gute Laune hättest“ – denn auch ein aufgesetztes Lächeln verbessert die innere Stimmung. Indem wir uns selbst eine positive Erwartungshaltung produzieren, erfüllt sich diese Erwartung mit höherer Wahrscheinlichkeit. So führt Optimismus zu einem zufriedenen und „glücklicherem“ Leben.