Was bedeutet Hoffnung?

    Die Hoffnung ist so alt wie die Menschheit, lässt sich behaupten. Umgangssprachlich verstehen wir darunter positive Erwartungen oder das erfüllt bekommen eines Wunsches. In der Psychologie und der Resilienzforschung wird hierzu vor allem mit dem Modell von Charles R. Snyder (2002) gearbeitet.

    Snyder unterscheidet insbesondere zwischen einer kognitiven und einer motivationalen Komponente. Die kognitive Komponente ist das „pathway thinking“. Das bedeutet die Fähigkeit Ziele zu setzten und Wege zum Erreichen der Ziele zu finden. Die motivationale Komponente ist das „agency thinking“ – also die Zuversicht die Ziele zu erreichen und Motivation für den Weg dahin aufzubringen.

    Dabei entwickelt sich Hoffnung, nach Snyder, im Verlauf des Lebens aus den gemachten Erfahrungen von (Miss)Erfolgen, sowie durch die soziale Unterstützung des Individuums. Wichtig ist, dass sie sich nicht nur auf eine bestimmte Situation beziehen muss, sondern auch eine überdauernde Eigenschaft sein kann. Snyder und andere Forscher zeigen in Studien, dass Menschen mit diesem Schutzfaktor beruflich erfolgreicher sind uns sozial kompetenter erscheinen und zudem mehr Unterstützdung bekommen.

    Hoffnung als Schutzfaktor stärkt Resilienz

    In der Resilienzforschung wird der Schutzfaktor im Zusammenhang mit chronischen Stressoren untersucht. Beispielsweise untersuchten Billington u.a. in einer Studie von 2008 Patientinnen und Patienten mit Nierenversagen. Hoffnung zeigte sich hier als schützend gegen Angstzustände und Depressionssymptome. Die Betroffenen berichteten von einer gesteigerten Lebensqualität und von weniger Einschränkungen durch ihre Krankheit. Bei Patientinnen und Patienten mit Lungenkrebs sanken dadurch sogar die Krankheitsfolgesymptome (Berendes u.a. 2010).

    Die Wirkung als Schutzfaktor lässt sich nach Snyder so erklären, dass hoffnungsvolle Menschen primär und sekundär präventiv handeln. Damit ist gemeint, dass hoffnungsvolle Menschen auch vor dem Eintreten der Krankheit Präventionsmaßnahmen ergreifen (wie bspw. öfter zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen). Aber auch nach der Diagnose aktiver Bewältigungsstrategien anwenden. Dabei ist nicht geklärt, ob hoffnungsvolle Menschen mehr Strategien zur Verfügung haben, oder diese einfach motivierter anwenden.

    Zudem zeigte sich Hoffnung in Studien als Schutzfaktor gegen chronische Stressoren. So haben beispielsweise Mednick et al. in einer Studie zu Eltern mit einem behinderten oder chronisch kranken Kind weniger psychische Belastung festgestellt, wenn sie vorhanden war (2007). Auch in der Arbeitswelt wurde sie als wichtiger Faktor zur Stärkung von Resilienz (Widerstandsfähigkeit gegen Stress) festgestellt (Gillespie u.a. 2007).

    Hoffnung sorgt für eine bessere und aktive Bewältigungsstrategie, sodass Krankheiten als weniger einschränkend wahrgenommen werden und die Lebensqualität hoch bleibt. Zudem wirkt der Schutzfaktor so, dass man weniger psychopathologische Symptome wahrnimmt. Es bedeutet die Fähigkeit, auch unter widrigen Umständen Ziele zu verfolgen und diese zuversichtlich anzugehen.

    Hoffnung im Zusammenspiel mit anderen Schutzfaktoren

    Obwohl sie keine eigene Emotion ist, spielt der Schutzfaktor der positiven Emotionen hier eine große Rolle. Positive Emotionen empfinden wir, wenn wir einen Weg zum Ziel beginnen und erfolgreich vorankommen. Falls die Zielerreichung stillsteht oder gar blockiert wird, erfahren wir eher negative Emotionen. Denn hoffnungsvolle Menschen bleiben auch bei Restriktionen lösungsorientiert und lassen sich auch auf zweitbeste Lösungen ein. So zeigte auch Bergmann u.a. in einer Tagebuchstudie von Rentnern (2006), dass sich der Umgang mit täglichen Stressoren durch Hoffnung deutlich positiv gestaltet.

    Sie stärkt also im Zusammenspiel mit positiven Emotionen zusätzlich die Resilienz. Doch auch andere Schutzfaktoren gehen damit einher und produzieren so ein besseres Bewältigungsverhalten. Dies zeigte sich in einer Studie  von Hasson-Ohayon u.a. (2009), in der der Zusammenhang von Hoffnung und Religiosität ein besseres Copingverhalten produzierte. Der Schutzfaktor führte hier im Zusammenspiel mit großer Religiosität zu einem positiven Bewältigungsverhalten, währen Glaube allein eher negative Copingstrategien hervorrief.

    Zum Problem der Hoffnung

    Im Allgemeinen verstehen wir unter Hoffnung die Erfüllung eines (nicht beeinflussbaren) Wunsches, zum Beispiel die Hoffnung auf gutes Wetter. In der Resilienzforschung wird sie allerdings im Sinne Snyders Modell verstanden. Also als Fähigkeit, Ziele zu formulieren und diese motiviert anzugehen. Diese kognitive Komponente ist es, die diesen Schutzfaktoren von anderen, wie Optimismus und Kontrollüberzeugung unterscheidet.

    Zum anderen bleibt das Konzept von Hoffnung und gleichzeitiger Copingstrategie in der Resilienzforschung weitgehend unbeachtet. So erklärt Folkmann (2010), dass man gleichzeitig hoffen kann, von etwas verschon zu bleiben (wie einem Unwetter) und trotzdem Vorbereitungen trifft (wie Stecker rausziehen). Er beschreibt es als angepassten Bewältigungsstil an Herausforderungen.

    Fest steht allerdings, dass Hoffnung ein Schutzfaktor darstellt, um resilient Stressoren umzugehen.