Eisberge entdecken für resilientes Handeln

    Ein Gefühl, das wahrscheinlich jeder kennt: Die Emotionen überrollen einen und man verliert die Kontrolle. Diese Reaktion kommt durch unsere Überzeugungen und Werte. Denn sie sind die Grundlage für unser Denken, Handeln und Fühlen. Von diesen Überzeugungen nehmen wir meist jedoch nur einen kleinen Teil bewusst wahr, weswegen sie Eisberge genannt werden.

    Normalerweise helfen uns unsere Werte zur Orientierung, doch sorgen sie auch dafür, dass wir manchmal überemotional und nicht effektiv reagieren. Wenn wir jedoch nicht nur die Spitze, sondern unseren ganzen Eisberg kennen, dann können wir unsere Emotionen besser regulieren und Resilienz stärken.

    Die Eisberg-Metapher

    Öfters mal unter die Wasseroberfläche schauen…

    Warum vergleichen wir hier Eisberge mit Überzeugungen? Diese Metapher stammt ursprünglich aus der Psychoanalyse nach Siegmund Freud. Denn er versuchte damit sein Verständnis von bewusst (die sichtbare Spitze des Eisbergs) und unbewusst (der Rest unter der Wasseroberfläche) zu verdeutlichen.

    Und ähnlich wie mit einem Eisberg verhält es sich mit unseren Überzeugungen. Nur ein kleiner Teil unserer Werte und Glaubenssätze ist uns tatsächlich bewusst. Das ist der Teil, den wir sehen können. Der Großteil liegt allerdings unter der Oberfläche, also im Unbewussten. Zudem passt die Metapher aus einem weiteren Grund. Unsere Eisberg-Überzeugungen werden ebenfalls nach den kalten Riesen getauft, da es sich hier oft um starre und festgefrorene Vorstellungen handelt.

    Eisberge entdecken und auftauen

    Dabei müssen nicht alle Eisberg-Überzeugungen zu Überreaktionen führen. Manche dieser Glaubenssätze sind sehr resilient, wie beispielsweise: „Was auch passiert, ich bleibe mir treu“. Dadurch wird das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit gestärkt. Andere, tief verankerte Überzeugungen, sind dagegen ineffektiv, wie beispielsweise: „Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Schwäche“.

    Bei solchen Eisbergen ist es für das eigene Wohlbefinden sehr hilfreich, die Eisberge zu entdecken und zu schmelzen. Das hilft zur Emotionsregulation und stärkt die Resilienz. Das Auftauen eines Eisbergs ist allerdings nicht ganz so leicht. Denn die Motive, die sich da im Eis verbergen, sind tief in uns eingeschrieben, wie bei einem Programm. Man kann dieses Programm jedoch nicht einfach löschen oder ausschalten. Hierfür braucht es sehr viel Selbstreflexion.

    Wie entdecke ich Eisberge?

    Im Grunde genommen lassen sich drei Arten von eisberg-Überzeugungen unterscheiden.

    1. Leistung: Das ist der Wunsch nach Erfolg oder Wille zur Fehlervermeidung.
    2. Akzeptanz: Es handelt sich um das Begehren nach Zugehörigkeit und Anschluss.
    3. Kontrolle: Das ist der Wunsch nach Kontrolle.

    Um welchen Eisberg-Typen könnte es sich bei Ihnen handeln? Um das herauszufinden helfen diese Fragen: Wie reagieren Sie auf die Hochs und Tiefs in Ihrem Alltag? Wodurch entstehen zwischenmenschliche Konflikte bei Ihnen?

    Wie taue ich Eisberge auf?

    Wenn Sie Ihren Eisberg entdeckt haben, können Sie beispielsweise mit dem ABC-Modell Ihre Überzeugungen überprüfen. Hier beschäftigen Sie sich mit der Bewertung von Reizen, die überemotionale Reaktionen auslösen.
    Außerdem können diese Fragen helfen:

    – Für was ist der Eisberg nützlich für Sie?
    – Wie groß ist seine Bedeutung für Sie?
    – Welche anderen Glaubenssätze führen bei Ihnen zu einem positiven Zustand?

    Eisberge zu entdecken und aufzutauen ist nicht nur im Alltag sinnvoll. Auch in Krisensituationen werden Sie so lernen, Gefühle und Gedanken zu verstehen und zu kontrollieren. So bleiben sie effektiv handlungsfähig und widerstandfähig gegen Stress.