Was sind Denkfallen?

    Wir treffen im Alltag durchgehend Entscheidungen oder beurteilen Situationen. Die Grundlage dafür stellen „Faustregeln“ dar, die wir aus eigenen oder auch aus fremden Erfahrungen bilden. Wenn eine Faustregel jedoch in einer bestimmten Situation nicht funktioniert, resultieren daraus Denkfallen.

    Faustregeln sind meistens nicht sehr genau, erleichtern dafür aber eine schnelle Entscheidungsfindung und sorgen für intuitives, automatisches Denken. Und gerade dieses unhinterfragte Denken kann auch negative Konsequenzen haben. Denkfallen führen zu Fehlentscheidungen oder falschen Urteilen.

    Denkfallen sind wie optische Täuschungen

    Denkfallen lassen sich durchaus mit Phänomenen vergleichen, die einer Fata Morgana ähneln.

    Optische Täuschungen zeigen uns, wie leicht wir das Gehirn in die Irre führen können. Und jeder, der eine optische Täuschung kennt, stellt etwas Bemerkenswertes fest. Obwohl wir wissen, dass es sich um eine Täuschung handelt, sehen wir trotzdem den Effekt und nicht das, wie es wirklich ist.

    Denkfallen sind analog dazu quasi eine „mentale Illusion“. Unser Gehirn trickst sich dabei selbst aus. Der Unterschied hierbei ist nur, dass wir die Täuschung nicht bemerken. Unsere unbewussten Faustregeln haben enormen Einfluss auf Entscheidungen und unsere Urteilskraft. Und diese Illusionen haben dementsprechend negative Auswirkungen.

    Doch alles halb so wild: Denkfallen sind absolut menschlich. Noch dazu spielen weder Intelligenz noch Kompetenz eine Rolle dabei. Wir irren uns alle mal, und merken es nicht einmal!

    Wie vermeide ich Denkfallen?

    Wenn Denkfallen nun normal sind und unausweichlich scheinen, wie kann man sie dann vermeiden? Natürlich sind solche mentalen Irrtümer normale Fehler. Trotzdem hilft es, seine eigenen Denkmuster zu hinterfragen, um die Resilienz zu stärken. Wie kommt es zur Irreführung?

    Als Denkanstoß sind hier ein paar der häufigsten mentalen Illusionen aufgelistet:

    1. Willkürliche Schlussfolgerungen, die keine relevanten Fakten als Basis haben
    2. Tunnelblick, wobei der Fokus nur auf negativen Aspekten liegt
    3. Überbewerten von Negativen und Unterbewerten von Positivem
    4. Personalisieren von Ereignissen, wobei die Gründe dafür ohne logischen Grund bei sich selbst gesucht werden
    5. Schuld abschieben
    6. Übergeneralisieren, sodass anhand von einem Ereignis eine allgemeine Regel aufgestellt wird
    7. Gedanken lesen, oder zumindest die Annahme die Gedanken anderer zu kennen
    8. Emotionales Denken, bei dem Emotionen als Bestätigung der Richtigkeit von Gedanken funktionieren
    (Reivich/Shatté: The Resilience Factor, 2003, S. 95-122)

    Einige Resilienz Strategien können ebenfalls dabei helfen, Denkfallen zu vermeiden. Wenn Sie öfter in die gleiche Falle tappen, kann beispielsweise das ABC-Modell helfen, Ihre Glaubenssätze zu überprüfen und an resilienten Reaktionen zu arbeiten. Ebenso hilft die Übung Eisberge entdecken dabei, ‚falsche‘ Überzeugungen neu zu rahmen.